letzte Änderung: 14.06.2005 
 
Die Didaktik der Seminare auf dieser Plattform

Die Plattform i-study unterstützt eine didaktisch sinnvolle Gestaltung von Hybrid- oder Onlineseminaren und eine kostengünstige Umsetzung. Sie wurde auf Grundlage aktueller Forschungsergebnisse und einer kontinuierlichen Selbstevaluation entwickelt.  Die klaren Erfolge in der Umsetzung zeigen sich u.a. durch eine deutlich geringe Dropout-Quote. In den bisher evaluierten Onlineseminaren mit i-study liegt die Dropout-Quote unter 15% bei einem freiwilligen Seminar.

Die Plattform eignet sich vor allem für die Vermittlung textbasierten Wissens, wie sie in üblichen Hochschulseminaren der Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften vorkommt. Schauen Sie sich hier einige Evaluationsergebnisse in Form von konkreten Äußerungen der Teilnehmenden an. Die wesentlichsten, didaktischen Elemente sind:

  • Segmentierung des Inhalts in Themenblöcke
  • In jedem Block problemorientierte, kooperative Aufgabenstellungen mit abnehmender Instruktionsdichte (Gemäßigt konstruktivistischer Lernansatz (1. aktiver und konstruktiver Lernprozess, 2. ein selbstgesteuerter Prozess und immer ein 3. sozialer und 4. situativer Prozess (Gräsel, 1997; Mandl & Reinmann-Rothmeier, 2001a, S. 626), mit instruktionistischen Elementen angereichert - vgl. Mandl))
  • Kleingruppenbildung mit 3-5 Personen pro Gruppe (Gruppenbildung durch Dozenten)
  • Maßnahmen zur positiven Interdependenz und Zusammengehörigkeit in den Kleingruppen (Expertengruppe <-> Stammgruppe, Namensfindung, Aufgabenaufteilung, Anknüpfung an Vorwissen, eigenes Gruppenforum, Gruppenfeedback)
  • Gruppen- und Teilnahmeregeln inkl. Ausschlusskriterien
  • Moderation durch Tutoren & selbstgesteuerte Moderation (wobei es einen Wechsel von einer Seminarmoderation durch den Seminarleiter hin zu einer rotierenden, gruppeninternen Selbstmoderation ("jeder ist mal dran") nach etwa 3 Wochen gibt (Hintergrundartikel Dresing, T.; Pehl, T.: Gruppeninterne Moderation in Online- und Hybridseminaren , Onlineveröffentlichung, Stand 17.08.2004 (16 DIN A4 Seiten 236KB *.pdf Datei))
  • Feedback durch Onlinetutoren & Reflektion des eigenen Lernprozesses durch regelmäßiges, zweiwöchiges Reflexionsfeedback jedes Teilnehmenden (technsich gelöst durch ein multimedial unterstütztes Feedback zum Lernprozess - kurz MUFL)
  • Hybride Veranstaltungsform, Präsenztreffen falls möglich
  • Zur Hilfe und Unterstützung Beispiellösungen, Lösungs-Instruktionen
  • 24 Stunden E-Mail Service durch die Seminarleitung: alle E-Mails, bei maximal 30 Teilnehmern pro Veranstaltung, werden innerhalb von 24 Stunden beantwortet (außer Wochenende und Feiertagen)
  • Spiel, Spaß, Förderung, Fantasie und häufige Kommunikationsangebote durch den Dozenten dürfen nicht fehlen

14 notwendige Schritte um ein Seminar mit der E-Learning Plattform durchzuführen
Die Seminarleitung, die mit dieser Plattform ein Onlineseminar durchführen möchte, hat einige Aufgaben zu bewältigen. Hier sehen Sie die wesentlichsten Punkte:

  1. Plattform herunterladen, Installationsanleitung lesen, Plattform auf dem Server installieren (Dauer 1 Stunde)
  2. Mit der technischen Umgebung vertraut machen, Tutorial durchgehen
  3. Groben Seminarplan auf Papier erstellen, eigenes Seminar in 6-8 thematische Blöcke aufteilen
  4. Für jeden thematischen Block eine problemorientierte Aufgabe formulieren (ähnlich einer Geschichte oder Situationsbeschreibung)
  5. Literatur einscannen oder als Worddatei und PDF sammeln, Links raussuchen, etc.
  6. Aufgaben, Seminarbeschreibung und Gruppenregeln in die Plattform eintragen
  7. Reale Kick-off Veranstaltung und dort den Studenten den Seminarlink mitteilen und sie dort registrieren lassen, erstes Kennlernspiel durchführen, Seminarplan und -ablauf bekannt geben
  8. In der ersten Woche die Studenten die Gruppen-, Seminar- und Kooperationsregeln mit Ausschlusskriterien verifizieren lassen
  9. In den ersten drei Wochen übernimmt die Seminarleitung die Moderation. Nach der ersten Woche werden vom Seminarleiter die Teilnehmenden in die Gruppen aufgeteilt. Insgesamt häufig online "präsent" sein, technische Unterstützung geben, für eine gute Atmosphäre sorgen
  10. Gruppen auf der Plattform eintragen (dadurch bekommt jede Gruppe ein Gruppenforum)
  11. Insgesamt alle 2-3 Tage die News pflegen, Mo-Fr täglich mögliche Mails beantworten, Feedback formulieren
  12. Ein Motivationsknick ist etwa in Woche 4-6 zu erwarten, dort Präsenztreffen einrichten
  13. Ab der 5-7 Woche reduziert sich der Arbeitsaufwand, weil die Gruppen ab da erfahrungsgemäß gut kooperieren
  14. Feedbackrunde am Schluss, Evaluation

Rechnen Sie im ersten Semester mit 4-6SWS, in allen Folgenden mit etwa 2-3 SWS Arbeitsaufwand. Der Hauptzeitaufwand liegt in der tutoriellen Betreuung der Lernenden (inkl. inhalt. Feedback verfassen, kann auch von Tutoren übernommen werden) und in der einmaligen Konzeption der Inhalte. Der Aufwand sinkt mit zunehmender Seminardauer, in der Regel ist der Dozent gegen Ende des Seminars nahezu "arbeitslos". Die Plattform generiert alle notwendigen Evaluationsdaten (beispielsweise alle Forenbeiträge als vorbereitete MAXqda-Datei zur qualitativen und quantitativen Auswertung oder eine SPSS Matrix) automatisch.

 

Hintergrundinformationen zur Entwicklung und Forschungsarbeit der Plattform

Das Gesamtprojekt der Dissertation beinhaltet die Entwicklung einer didaktischen Seminarstruktur, einer opensource Plattform und die mehrfache Seminardurchführung und -evaluation zum konkreten Seminarinhalt "Einführung in die computergestützte Text- und Inhaltsanalyse". Für die Seminarevaluation werden Interviews und Forenbeiträge der Teilnehmenden analysiert (Grounded Theory, Sequenzanalyse, quantitative Satz-für-Satz Analyse). Vermutet wird ein Zusammenhang zwischen dem Lernstil der Teilnehmenden (Learning Style Inventory nach Kolb 1999) und dem Lernerfolg im kooperativen und problemorientierten Online-Lernsetting. Neben der Aussagen über einen möglichen Einfluß des persönlichen Lernstils ist es das Ziel, eine übertragbare didaktische Seminarstruktur und technische Plattform für andere Seminarinhalte und Fachbereiche zu entwickeln und bereitzustellen. Dieses Ziel konnte bereits erfüllt werden.

Die Online-Lehrveranstaltung greift den Ansatz des Blended Learning auf und kombiniert Lernen in Präsenzphasen mit dem Einsatz elektronischer Kommunikations- und Kooperationsmedien. Der Kern der didaktischen Seminarkonzeption wird durch eine einfach zu bedienende Online-Lernumgebung umgesetzt, die Chats zur synchronen Kommunikation und Foren für Diskussionen und Austausch von Dokumenten bereitstellt. Diese wurde auf der Basis einer ausgezeichneten Forensoftware (PHPBB) und verschiedener Plattformevaluationen und Kriterienkataloge (u.a. Baumgartner 2003) in fünf Monaten Entwicklungszeit programmiert.

Das bisher umgesetzte Hybridseminar (www.textanalyse.com) ist die umfassendste, virtuell unterstützte Lehrveranstaltung am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Marburg. Das Gesamtprojekt ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt, daher beinhaltet die Seminarkonzeption eine methodenkritische, summative und formative Evaluation. Sie ist mit Blick darauf entworfen, eine kontinuierliche Reflexion und Weiterentwicklung des didaktischen und technischen Konzeptes zu gewährleisten. Die hybride Lehrveranstaltungskonzeption verbindet in bestem Maße Präsenzphasen und virtuelle Komponenten und bietet damit einen ausgewogenen Methodenmix, um Lernprozesse anzuregen. Der Inhalt und Ablauf des Seminars entwickelt sich stets weiter und unter anderem auch durch die laufende Seminarevaluation und aus den Anregungen der StudentInnen der letzten Semester. Das Evaluationsmaterial (24 problemorientierte, leitfadengestützte Interviews, 1500 Din A4 Seiten Forentexte, 75 Befragungs- und Universitätsevaluationsbögen etc.) wurde bereits erhoben und bisher 4 Hybridseminare durchgeführt. Das aktuelle Hybridseminar (WS04-05) findet als Verbund zwischen der HU Berlin und der Universität Marburg statt. Im nächsten Semester findet die Veranstaltung als Kooperation von StudentInnen der Wirtschaftswissenschaften der Universität Kassel und StudentInnen der Erziehungswissenschaften der Universität Marburg statt.